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Raus aufs Land und rein in den Stall ging es beim Sommerferienprogramm der CDU Remchingen: Auf den Spuren der heimischen Landwirtschaft entdeckten die interessierten Teilnehmer die beiden Vollerwerbsbetriebe von Margot und Peter Bercher in Remchingen-Singen sowie von Familie Heckmann in Kämpfelbach-Ersingen. Dort bekamen sie einen direkten Einblick in zwei unterschiedliche, innovativ-nachhaltige Betriebsformen.
Eine Familie, viele Felder voller Gras, Mais, Luzerne und Getreide und knapp über hundert schwarzbunte Holstein-Kühe samt Nachzucht geben in der Singener Hegenachsiedlung rund um die Uhr alles, damit die Milch läuft: „Fast alles, was wir anbauen und erarbeiten, geht durch die Kuh und wird zu Milch“, stellte Peter Bercher beim Hofrundgang fest. Dass dies nicht immer nur Bauernhofidylle wie im Bilderbuch bedeutet, zeigt ein oft schwankender Milchpreis, weshalb sich die Zahl der milchviehhaltenden Betriebe in der weiten Region im Schnitt alle zehn Jahre halbiert. Doch davon lasse sich der Landwirtschaftsmeister nicht entmutigen, der das gemeinsame Arbeiten in der Landwirtschaft mit all seinen Herausforderungen ebenso schätzt wie die stetigen Innovationen: Mit der Übernahme des Aussiedlerhofes von seinem Vater in den 90er-Jahren hatte er für die damals 30 Kühe im Anbindestall den ersten Melkstand aufgebaut und Anfang der 2000er einen komfortablen Boxen-Laufstall mit Frischluftzufuhr und Fernblick, bequemen Tiefboxen, Putzbürsten und Ventilatoren samt Solaranlage auf dem Dach errichtet. Mittlerweile übernehmen das Melken zwei vollautomatische Melkroboter. Das bedeutet zwar nicht direkt weniger Arbeit, aber deutlich mehr Flexibilität. Nicht nur für die Familie, sondern auch für die Kühe, die ihre rund 30 Liter Milch am Tag nicht morgens und abends, sondern jetzt ganz beliebig abgeben können. Manche der Kühe, die allesamt auf dem Bercherhof zur Welt gekommenen sind und als Kälber aufgezogen wurden, leben schon 15 Jahre hier und haben in dieser Zeit jeweils über 100.000 Liter Milch gegeben. Diese wird nach dem Melken gekühlt, alle zwei Tage vom Milchtransporter abgeholt und dann über Campina zu Landliebe-Produkten verarbeitet.
Der Bauernhof Heckmann in Ersingen hat sich seit 2007 auf die Aufzucht von Färsen – jungen weiblichen Rindern – spezialisiert, wie Jasmin Heckmann vor Ort erklärte. Die Kälber kommen als Kreuzung zwischen Milch- und Fleischrind im Alter von etwa drei Wochen auf den Betrieb und werden anfangs mit Milch gefüttert, später mit hofeigenem Futter aus Gras-Silage, Mais-Silage und Getreideschrot sowie Heu. Mit rund zwei Jahren haben sie ihr Schlachtgewicht erreicht und werden über die Viehzentrale Südwest, die unweit gelegene Nöttinger Metzgerei Dürr und Beier oder seit neuestem direkt über den Hofladen auf Vorbestellung vermarktet. Wichtig ist der Familie dabei, dass alle Tiere in den Außenklima-Laufställen auf Stroh und in größeren Herdenverbänden stehen.
Die „größte Kuh“ auf dem Hof ist eine ganz besondere: Seit 2009 betreiben Heckmanns eine Biogasanlage. Das Besondere daran: Die Fermenter werden zu drei Vierteln mit dem Mist der hofeigenen Rinder gefüttert, hinzu kommen pflanzliche Nebenprodukte wie beispielsweise die Kolben-Blätter einer nahegelegenen Süßmaisverarbeitung und nur ein geringer Anteil Silage. Zwei Blockheizkraftwerke speisen eine Leistung von 380 Kilowattstunden ins örtliche Stromnetz ein, womit etwa 600 bis 700 Haushalte mit Strom versorgt werden können. Mehr noch: Neben dem für die landwirtschaftlichen Nutzflächen wertvollen, nährstoffreichen Gärsubstrat nutzt die „Biowärme Ersingen eG“ seit wenigen Jahren sogar die Abwärme der Anlage: Über ein Fernwärmenetz sind in Ersingen 80 Haushalte sowie die Schule, das Hallenbad, die Turnhalle, Kindergarten und Sozialwohnungen angeschlossen. Im Winter wird mit Hackschnitzeln zugeheizt, die wiederum mit überschüssiger Wärme im Sommer getrocknet werden können – ein rundum geschlossener Kreislauf.


Inmitten der über 100 Milchkühe im Boxen-Laufstall mit Fernblick über Remchingen bis zumSchwarzwald erläuterten Peter Bercher (Mitte, rotes Shirt) und Ehefrau Margot (ganz vorne) den Zuhörern die Abläufe ihres fast komplett auf Milchproduktion ausgerichteten Betriebs. Unter den Gästen auch der CDU-Landtagskandidat für den Enzkreis Philippe A. Singer (rechts). Foto: Zachmann

Ausführliche Informationen zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Biogas erhielten die Besucher von Jasmin Heckmann (Mitte, blaues Shirt) inmitten der technischen Anlagen des zukunftsorientiert ausgerichteten landwirtschaftlichen Betriebs in Kämpfelbach-Ersingen. Foto: Zachmann

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